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"Perfect Harmony from Soloist and Orchestra"

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© Aachener Zeitung 14/11/2016

Junge Sinfoniker überzeugen mit anspruchsvollem Programm

Von: Pedro Obiera 
Letzte Aktualisierung: 14. November 2016, 12:30 Uhr

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(Überzeugte im Eurogress: das Junge Sinfonieorchester Aachen, mal mit und mal ohne Solistenauftritt.) Foto: Ralf Roeger

AACHEN. 36 Jahre arbeitet Peter Sauerwein bereits mit dem von ihm gegründeten „Jungen Sinfonieorchester Aachen“. Dabei ist es ihm gelungen, das Spielniveau des etwa 70-köpfigen, im Laufe der Zeit naturgemäß stark fluktuierenden Ensembles, auf so hohem Niveau zu stabilisieren, dass das Risiko auch bei anspruchsvollen Programmen berechenbar bleibt.

Obwohl der Besuch in diesem Jahr aufgrund mehrerer Konkurrenzveranstaltungen bescheiden blieb, waren die Zuhörer im Euro-gress von den Leistungen des Orchesters und der Solisten so beeindruckt, dass sie sich am Ende mit Standing Ovations bedankten.

Gespür für große Gesten

Vorausgegangen war als Höhepunkt des Abends Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert mit dem 24-jährigen portugiesischen Pianisten Vasco Dantas als Solisten. Der junge Mann bringt nahezu alles mit, um das populäre Werk wirkungsvoll zur Geltung zu bringen. Manuelle Sicherheit, Gespür für große Gesten, aber auch für die feinen, melancholischen Zwischentöne, so dass eine sorgfältig ausgearbeitete, prächtig klingende, rundum seriöse Interpretation ohne virtuose Kraftmeierei zu erleben war. Ein zweifellos hoffnungsvolles Talent.

Das „Junge Sinfonieorchester“ bereitete dem Solisten einen voluminösen, warm strömenden Klangteppich, ohne den Solisten zu übertönen und in Bedrängnis zu bringen. Erfreulich neben der orchestralen Gesamtleistung stachen etliche feine solistische Leistungen, so etwa am Horn oder an der Klarinette, heraus.

Hector Berlioz‘ Programm-Sinfonie „Harold in Italien“ nach dem gleichnamigen Versepos von Lord Byron für Solo-Bratsche und Orchester gehört zu den Raritäten des Repertoires.

Obwohl sich Berlioz auch hier als Meister der Instrumentation erweist, stellen sich doch Längen ein, wenn die Interpretation des tendenziell lyrischen Werks zu brav und vorsichtig ausfällt. Hier zeigten Sauerwein und das Orchester doch stellenweise zu viel Respekt vor den Klippen des Werks, dessen Solo-Part Gerhard Dierig makellos schön, aber auch etwas spannungsarm gestaltete.

Richard Wagners Ouvertüre zum „Rienzi“ eröffnete den Abend. Ein teilweise knalliges, teilweise bereits auf den späteren Meister hinweisendes Stück, das die jungen Musiker mit viel Spielfreude und klanglicher Leuchtkraft ertönen ließen. Begeisterter Beifall nach allen Beiträgen, die in Standing Ovations nach dem Rachmaninow-Konzert gipfelten, waren der Lohn für die Musiker.